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Schmerztherapie in der Rehabilitation

Patienteninformation für die Schmerztherapie in der Rehabilitation

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

diese Patienteninformation dient Ihrer Aufklärung über die Rolle der Schmerztherapie im Rahmen Ihrer Rehabilitation.

Bitte lesen Sie die folgenden Informationen sorgfältig durch, um sich umfassend über die Bedeutung von Schmerzen im Heilungsprozess, die Ziele der Schmerztherapie sowie über mögliche Behandlungsansätze – einschließlich der medikamentösen Schmerztherapie – zu informieren.


Welche Bedeutung hat die Schmerztherapie im Rahmen der Rehabilitation?

Schmerzen gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen von Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparates. Insbesondere bei orthopädischen Beschwerden – beispielsweise bei Erkrankungen der Wirbelsäule, nach operativen Eingriffen am Bewegungsapparat oder bei entzündlichen Reizzuständen von Muskeln, Sehnen oder Gelenken – können Schmerzen den Heilungsverlauf erheblich beeinflussen.

Ihre Rehabilitation erfolgt im Rahmen unseres multimodalen, ganzheitlich integrativen Behandlungskonzeptes, bei dem verschiedene therapeutische Maßnahmen gezielt miteinander kombiniert werden.

Ziel dieses Ansatzes ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Funktion des Bewegungsapparates wiederherzustellen und den Heilungsprozess aktiv zu unterstützen.

Zu diesen Maßnahmen gehören – abhängig von Beschwerdebild, Belastbarkeit und Behandlungsziel – unter anderem:

  • Sport- und Bewegungstherapie

  • Manuelle Therapie

  • Physikalische Therapie

    • Ultraschalltherapie

    • Stoßwellentherapie

    • Elektrotherapie

    • Intermittierende Kompressionstherapie

    • Pulsierende Magnetfeld-Resonanz-Therapie

    • Infrarottherapie

    • Cryotherapie

  • Flossing Therapie

  • Medical Taping

  • Orthomolekulare Medizin

  • Infusionstherapie

sowie – wenn erforderlich

  • Gezielte medikamentöse Schmerztherapie

Schmerzmittel sind dabei also nicht die einzige Form der Schmerztherapie. Sie stellen vielmehr einen Bestandteil eines umfassenden therapeutischen Gesamtkonzeptes dar.


Bewegung als zentrales Element Ihrer Rehabilitation

Das zentrale Element Ihrer Rehabilitation ist die Wiederherstellung von Funktion und Belastbarkeit durch unsere Sport- und Bewegungstherapie. Stabilität, Muskelkraft, Koordination und Beweglichkeit können nur durch gezielte aktive Belastung wieder aufgebaut werden.

Wenn Schmerzen jedoch zu stark ausgeprägt sind, reagieren viele Betroffene automatisch mit Schonung. Bewegungen werden vorsichtiger ausgeführt oder vollständig vermieden. Diese Reaktion ist zunächst verständlich, kann jedoch langfristig den Heilungsprozess erheblich behindern.

Bleiben Schmerzen über längere Zeit zu stark ausgeprägt, können mehrere ungünstige Entwicklungen gleichzeitig entstehen. Die Beweglichkeit nimmt ab, die Muskulatur verliert an Kraft, und es können sich kompensatorische Bewegungsmuster entwickeln, die wiederum andere Strukturen überlasten können. Gleichzeitig entsteht häufig eine zunehmende Unsicherheit gegenüber Bewegung. Viele Menschen beginnen dann, Aktivitäten aus Angst vor Schmerzen zu vermeiden.

Dieses Muster wird in der Medizin im Rahmen des sogenannten Angst-Vermeidungs-Modells (Fear-Avoidance Model) beschrieben. Es kann ein Kreislauf aus Schmerz, Schonung und Funktionsverlust entstehen, der dazu beitragen kann, dass Beschwerden länger bestehen bleiben, obwohl sich die ursprüngliche Gewebeschädigung bereits verbessert hat.

Eine angemessene Schmerztherapie kann helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rehabilitation zu schaffen.


Ziel der Schmerztherapie in der Rehabilitation

Im Rahmen Ihrer Rehabilitation arbeiten wir mit der numerischen Schmerzskala (NRS). Dabei bewerten Sie Ihre Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 10:

  • 0 bedeutet kein Schmerz

  • 10 steht für den stärksten vorstellbaren Schmerz

In vielen Rehabilitationssituationen gilt ein Schmerz von weniger als 3 Punkten auf der Schmerzskala als gut kontrolliert. In diesem Bereich bleibt Bewegung in der Regel möglich, ohne dass der Körper unnötig überlastet wird.

Leichte Schmerzen während der Rehabilitation sind dabei nicht grundsätzlich problematisch. Entscheidend ist vielmehr, dass die Schmerzen kontrollierbar bleiben und die Funktion nicht wesentlich einschränken. Ein gewisses Maß an Beschwerden während der Belastung kann insbesondere dann auftreten, wenn Strukturen nach einer Verletzung oder Operation schrittweise wieder belastet werden.

Das Ziel der Schmerztherapie besteht daher in der Regel nicht in vollständiger Schmerzfreiheit, sondern in einem gut kontrollierten Schmerzniveau, das Bewegung ermöglicht und gleichzeitig verhindert, dass sich durch Schonung oder Überlastung ungünstige Anpassungsprozesse entwickeln.

Wenn Schmerzen deutlich über diesem Bereich liegen oder Schmerzmittel aus grundsätzlicher Skepsis nicht eingenommen werden beziehungsweise in der aktuellen Dosierung nicht ausreichend wirken, kommt es häufig zu genau dem Problem, das eigentlich vermieden werden soll: Übungen werden reduziert oder ganz ausgelassen, Bewegungen werden vorsichtig oder unvollständig ausgeführt, und der Fortschritt der Rehabilitation bleibt aus.


Akuter Schmerz als Schutzfunktion

Schmerz ist grundsätzlich ein wichtiges biologisches Warnsignal. Bei einer Verletzung oder Entzündung aktiviert der Körper sogenannte Nozizeptoren, also spezialisierte Schmerzrezeptoren im Gewebe.

Dieser sogenannte nozizeptive Schmerz signalisiert dem Körper, dass eine Struktur überlastet oder geschädigt ist. Beispiele hierfür sind entzündete Gelenke, Muskelverletzungen oder die Reizung einer Nervenwurzel bei einem Bandscheibenvorfall.

In dieser Phase ist Schmerz ein sinnvoller Hinweis darauf, Belastungen anzupassen und dem Körper Zeit zur Regeneration zu geben.

Problematisch wird es jedoch, wenn Schmerzen über längere Zeit zu stark bleiben und dadurch Bewegung dauerhaft eingeschränkt wird.


Das Schmerzgedächtnis – wenn Schmerzen chronisch werden

Unser Nervensystem besitzt eine ausgeprägte Lernfähigkeit. Werden Schmerzreize über längere Zeit immer wieder ausgelöst, kann sich die Verarbeitung von Schmerz im Rückenmark und im Gehirn verändern. In der Medizin spricht man in diesem Zusammenhang vom Schmerzgedächtnis oder von zentraler Sensibilisierung.

Dabei reagieren Nervenzellen zunehmend empfindlicher auf Schmerzreize. Reize, die ursprünglich nur geringe Beschwerden ausgelöst hätten, können dann als deutlich stärker wahrgenommen werden. In fortgeschrittenen Fällen kann Schmerz sogar bestehen bleiben, obwohl die ursprüngliche Gewebeschädigung bereits weitgehend abgeheilt ist.

Dieser Prozess entwickelt sich in der Regel nicht innerhalb weniger Tage. Von einer Chronifizierung von Schmerzen spricht man, wenn Beschwerden über einen Zeitraum von mehreren Monaten bestehen bleiben. Neurobiologische Veränderungen im Nervensystem können jedoch bereits deutlich früher beginnen, wenn Schmerzreize über längere Zeit stark und kontinuierlich auftreten.

Aus diesem Grund spielt eine frühzeitige und angemessene Schmerztherapie eine wichtige Rolle. Sie kann dazu beitragen, das Nervensystem zu stabilisieren und eine langfristige Überempfindlichkeit der Schmerzverarbeitung zu vermeiden.


Rolle von Schmerzmitteln innerhalb der Schmerztherapie

Medikamente können einen wichtigen Bestandteil der Schmerztherapie darstellen. In bestimmten Situationen können sie sogar eine Voraussetzung dafür sein, dass Bewegung, Training und funktionelle Belastung überhaupt wieder möglich werden.

Gerade bei akuten Beschwerden des Bewegungsapparates, nach operativen Eingriffen oder bei entzündlichen Reizzuständen kann eine gezielte medikamentöse Schmerztherapie dazu beitragen, die Schmerzintensität so weit zu reduzieren, dass rehabilitative Maßnahmen wieder sinnvoll durchgeführt werden können.

Die Auswahl geeigneter Medikamente orientiert sich häufig am sogenannten WHO-Stufenschema der Schmerztherapie. Dieses international etablierte Modell beschreibt eine stufenweise Anpassung der medikamentösen Behandlung an die Intensität der Schmerzen.

Das Schema unterscheidet drei Behandlungsstufen:

  • Stufe 1 – Nicht-Opioid-Analgetika

    Hierzu gehören beispielsweise Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol oder Metamizol. Diese Medikamente werden in der Regel bei leichten bis mäßigen Schmerzen eingesetzt und wirken je nach Wirkstoff schmerzlindernd, entzündungshemmend oder fiebersenkend. Ein Teil dieser Medikamente ist frei verkäuflich erhältlich, während andere – etwa bestimmte Dosierungen oder Wirkstoffe – der ärztlichen Verschreibungspflicht unterliegen.

  • Stufe 2 – Schwache Opioid-Analgetika

    Wenn Schmerzen mit Medikamenten der ersten Stufe nicht ausreichend kontrolliert werden können, können zusätzlich schwache Opioide wie Tramadol oder Tilidin eingesetzt werden. Diese werden häufig mit Medikamenten der ersten Stufe kombiniert und sind grundsätzlich verschreibungspflichtig.

  • Stufe 3 – Starke Opioid-Analgetika

    Bei starken Schmerzen kann eine Behandlung mit starken Opioiden wie Morphin, Oxycodon oder Fentanyl erforderlich sein. Diese Medikamente kommen insbesondere bei ausgeprägten Schmerzsyndromen zum Einsatz und unterliegen in Deutschland den Regelungen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Ihre Verordnung ist daher ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Ergänzend können – abhängig von der jeweiligen Schmerzursache und der individuellen Situation – weitere Medikamente eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise entzündungshemmende Präparate, Muskelrelaxantien zur Reduktion muskulärer Verspannungen oder Medikamente zur Behandlung neuropathischer Schmerzen, etwa bestimmte Antikonvulsiva oder Antidepressiva. Diese sogenannten Ko-Analgetika können die Wirkung der eigentlichen Schmerztherapie unterstützen und werden häufig in Kombination mit anderen Schmerzmedikamenten eingesetzt.

Das grundlegende Prinzip dieses Schemas besteht darin, die Schmerztherapie individuell an die Schmerzintensität anzupassen, regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls stufenweise zu erweitern oder wieder zu reduzieren.

Im Rahmen unserer heilkundlichen Tätigkeit können nicht alle Stufen der medikamentösen Schmerztherapie eigenständig abgedeckt werden, da bestimmte Medikamente –– auch einzelne Präparate der ersten und zweiten Stufe – der ärztlichen Verschreibungspflicht unterliegen, während starke Opioide zusätzlich den Regelungen des Betäubungsmittelgesetzes unterliegen.

In solchen Situationen erfolgt die Behandlung im Sinne einer interdisziplinären Zusammenarbeit in enger Abstimmung mit den behandelnden ärztlichen Kolleginnen und Kollegen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass eine medizinisch sinnvolle Schmerztherapie durchgeführt wird, während gleichzeitig die rehabilitativen Maßnahmen – insbesondere Bewegung und funktionelle Belastung – optimal unterstützt werden.


Häufige Vorbehalte gegenüber Schmerzmitteln

Viele Menschen stehen Schmerzmitteln grundsätzlich skeptisch gegenüber. Häufig besteht die Sorge, dass Medikamente lediglich Symptome „unterdrücken“, den Heilungsprozess verzögern oder möglichst vermieden werden sollten.

Ein weiterer häufiger Vorbehalt betrifft mögliche Nebenwirkungen. Insbesondere bestehen oftmals Bedenken hinsichtlich Magen-Darm-Beschwerden sowie einer möglichen Belastung von Leber oder Nieren. Auch die Sorge vor einer Gewöhnung oder Abhängigkeit – insbesondere bei stärkeren Schmerzmitteln – spielt eine Rolle. Zudem besteht häufig die Befürchtung, durch Schmerzmittel Warnsignale des Körpers zu „übergehen“ und sich unbemerkt weiter zu schädigen.

Diese Vorbehalte sind grundsätzlich nachvollziehbar und werden im Rahmen der Behandlung gezielt berücksichtigt. Entscheidend ist jedoch die medizinische Einordnung der jeweiligen Situation.

In der Rehabilitation werden Schmerzmittel nicht eingesetzt, um Beschwerden dauerhaft zu unterdrücken, sondern um Schmerzen gezielt so weit zu reduzieren bzw. zu modulieren, dass Bewegung und funktionelle Belastung überhaupt wieder möglich werden.

Entscheidend ist dabei eine kontrollierte, zeitlich begrenzte und therapeutisch abgestimmte Anwendung der Medikamente. Ziel ist es, ein kontrolliertes Schmerzniveau zu erreichen, ohne den Körper unnötig zu belasten.

Darüber hinaus wird die Schmerztherapie regelmäßig überprüft und an den Heilungsverlauf angepasst. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass mögliche Risiken minimiert und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rehabilitation geschaffen werden.

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